Die zeitgenössische Lyrik hat es im konventionellen Literaturbetrieb besonders schwer. Deshalb holen die Hildesheimer Lesezeichen die Lyrik aus den Buchdeckeln hervor ins Freie, ins Offene – in den urbanen Raum.
Lesezeichen sind literarische Texte in Form von monumentalen Bannern, die in der gesamten Innenstadt an prominenten Gebäuden und Plätzen, an Bushaltestellen, in Wartezonen des öffentlichen Nahverkehrs, an Kirchen, in Einkaufspassagen und Fußgängerzonen installiert werden. Die ungewöhnliche Literaturinstallation verwandelt Straßen und Plätze in Hildesheim in einen Park der Poesie. An 99 prominenten Plätzen in der Stadt werden insgesamt 150 großflächige Banner mit zeitgenössischer Literatur angebracht. Mit den Gedichtinstallationen lässt das Forum Literaturbüro ein attraktives Kunst- und Literaturprojekt im urbanen Raum entstehen und lädt Hildesheimer:innen und Besucher:innen zu einem literarischen Rundgang durch die Stadt ein.
Das bundesweit einzigartige Projekt der Leseförderung gibt dem literarischen Werk durch die physische Verortung im urbanen Raum das Unmittelbare, das „Einmalige“ zurück. Die Idee der Enträumlichung überschreitet die Grenzen eingefahrener Bahnen und nimmt im urbanen Kontext unmittelbar Stellung zur gegenwärtigen Situation und Wahrnehmung des zufälligen oder absichtsvollen Betrachters. Auf diese Weise werden dichterische Lebensräume als literarische Oasen überall in der City erschaffen. Sie erreichen und inspirieren Menschen, die von sich aus kein Buch in die Hand nehmen und von daher kaum Gelegenheit haben, an der Kunst des Wortes zu partizipieren.
Komplementär zu den physischen Bannern vor Ort werden alle Texte auf Audiodateien von einem Hildesheimer Schauspieler und Rezitator eingelesen und über eine digitale Stadtkarte von überall in der Welt abrufbar.