Am 28. Juni 2025 wird im Rahmen der KulturRegionale herzlich zu einem besonderen Sommerfest auf dem Vereinsgelände des Sportvereins Türk Gücü e.V. in der Lavesstraße 5 eingeladen.
Von 18:00 bis 22:00 Uhr dreht sich alles um die zentralen Themen „Heimat(en)“ und „Gemeinschaft(en)“, die nicht nur das Programm inspirieren, sondern auch einen Raum für Begegnung, Austausch und Zusammenhalt schaffen sollen. Der türkisch-deutsche Kulturabend blickt zurück auf eine mehr als zehnjährige Tradition als bedeutende Brücke zwischen verschiedenen Communities in der Hildesheimer Nordstadt und findet erstmalig als „Begegnungsfest“ im Rahmen der KulturRegionale auf dem Sportplatz in der Lavesstraße statt.
Ein türkisch-deutscher Projektchor, ein Kinderchor und Tanzgruppen nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch Musik und Tanz, in denen gemeinsame Erfahrungen und Perspektiven Ausdruck finden. Mitmach-Aktionen laden ein, selbst aktiv zu werden. Auch hungrig soll niemand bleiben: Kulinarische Spezialitäten aus der türkischen Küche sorgen dafür, dass alle gestärkt und zufrieden den Abend genießen können. Das türkischdeutsche Begegnungsfest möchte den sozialen Zusammenhalt stärken und dazu beitragen, Brücken zu bauen – und heißt dabei alle herzlich willkommen, sich selbst einzubringen.
Das Kultur- und Begegnungsfest ist ursprünglich aus dem türkisch-deutschen Kulturabend entstanden, der schon seit 2013 von Nevin Şahin veranstaltet wird. Nevin ist mit 22 Jahren aus Anadolu nach Hildesheim gekommen, ist seitdem in vielen Projekten ehrenamtlich aktiv und sorgt mit ihrem Engagement für ein lebendiges, gemeinschaftliches Leben in ihrem Umfeld und über dieses hinaus. 5 Jahre organisierte sie die Kulturabende allein, bis Bettina
Braun und weitere Akteur*innen zur Organisation dazustießen. Auch das diesjährige, erstmals in etwas größerem Rahmen stattfindende Kultur- und Begegnungsfest wird wieder von dem Kernteam, Nevin und Bettina, organisiert. Dieses Jahr zum ersten Mal im Juni, bei am Samstag sommerlichen Temperaturen und auf dem großen Gelände des SV Türk Gücü, mit dem Nevin bereits eine ganze Ära an schönsten Erlebnissen sammeln konnte und in dem
sie aktuell Vorstandsmitglied ist.
Zur Tradition der Abende gehört der Auftritt des Frauenchors unter der Leitung von Bettina Braun, welcher speziell für die Abende probt und ein thematisches Programm auf die Beine stellt, das zum Austausch unter den Feiernden anregen soll. Es sind aus dem Alltaggegriffene Themen, wie dieses Jahr „Heimat(en)“ und „Gemeinschaft(en)“, oder „Romantik und Rosen“ in einem der letzten Jahre, die, in Lieder gegossen, den Abend so besonders machen.
Das Programm des Fests bereichern, neben dem Frauenchor, auch eine Auswahl an Gruppen, die von außerhalb eingeladen sind. Dieses Jahr mit dabei sind ein Kinderchor, eine Tanzgruppe aus Hannover und eine türkische Folklore-Frauen-Tanzgruppe, die von Nevin Şahin geleitet wird. Zwei Sängerinnen runden das Programm ab und sorgen für Musik, zu der im Laufe des Abends getanzt werden kann.
Im Zentrum des Abends steht auch das Buffet, das von circa 15 Frauen mit viel Hingabe zubereitet wird. Einige Besucher*innen freuen sich wohl besonders auf die „Sarma“, das sind türkische, gefüllte Weinblätter, für die, in Handarbeit hergestellt, schon viele Tage zuvor alles vorbereitet werden muss.
Was den Veranstalterinnen bei dem Fest besonders wichtig ist: Der Austausch zwischen möglichst vielen Kulturen und Menschen. Alle sollen sich hier willkommen fühlen! Daher planen sie Mitmach-Aktionen in das Programm ein, die dazu animieren sollen, sich gegenseitig kennenzulernen und Gemeinschaft fühlbar zu machen. Auf Themen und Formate, die Menschen verbinden, anstatt ihre Unterschiede hervorzuheben, soll dabei ein Fokus gelegt werden. Auch Politiker*innen sind zu Begrüßungsworten eingeladen und sollen sich an diesem Diskurs beteiligen.
Bettina beschreibt: „Dieses Fest fällt auch ein bisschen in den Bereich der Soziokultur. (...) Wir haben keine Profis auf der Bühne, aber alle gestalten mit ihren Möglichkeiten und Herzblut diesen Abend.“
Aber was passiert gerade konkret hinter den Kulissen? Wir waren zu einer Chorprobe eingeladen und dürfen hier ein paar Eindrücke preisgeben:
Eine Gruppe von zehn Frauen, jeden Montag von 17-18 Uhr: In einer locker-leichten Atmosphäre singen Sie über Themen wie Heimat, Landschaft oder abends mit einem Partner an einer Laterne zu lehnen. Der türkisch-deutsche Chor ist nicht nur ein Ort, in dem Geschichten aus Liedern Raum finden – auch persönliche Momente, sei es aus Ankara oder Hildesheim, kommen zur Sprache. Mindestens genauso wichtig wie das Singen ist der Austausch unter den Frauen.
Und so kam es auch zur Entstehung des Chores. Ehemals aus Nevins türkischer Frauengruppe und dem von Bettina geleiteten Chor fusioniert, hatten beide Gruppen den Wunsch, einen stärkeren Dialog in der türkisch-deutschen Community zu schaffen. Nevinbeobachtet schon länger wachsende Vorurteile gegenüber aus der Türkei stammenden Menschen. Um eben diese abzubauen, ist es dem Chor ein wichtiges Anliegen, nationale Grenzen zu überwinden und türkische Kultur zu feiern.
Am Ende eines Tisches sitzt Bettina als Leitung und spielt Gitarre. Um sie herum am Tisch sitzen die anderen Frauen, es herrscht eine gesprächige Atmosphäre. Gesungen wird auf deutsch und türkisch. Dabei werden die Texte schon routinemäßig von den Mitgliedern übersetzt und es wird noch während der Chorprobe über die Übersetzungen diskutiert. Über die Musik können auch die beiden Sprachen spielerisch auf eine besondere Art erlernt werden. Es wird gekichert, gestrahlt und mitgeswingt – von diesem Gemeinschaftsgefühl lässt man sich gerne anstecken!
Zu der Frage, wieso es keine Männer unter ihnen gibt, antworten die Chormitglieder belustigt, es gäbe eben keine Männer, die mit ihnen singen wollten. Gleichzeitig herrscht aber auch der Konsens, dass sie auch ohne diese sehr gut klarkommen.
Allen ist es außerdem wichtig anzumerken, dass sie ein offener Chor sind. Ein Traum von ihnen ist es, Menschen aus möglichst vielen Nationen zu vereinen, sodass sie ein großer, internationaler Chor werden. Wer Lust hat mitzusingen, darf gerne zu den Proben im Nordstadttreff dazustoßen und mitmachen – neue Gesichter werden stets mit guter Laune empfangen.
Auch beim Fest wird sich über Mitsänger*innen aus dem Publikum gefreut, also Stimmbänder ölen und mitsingen, wenn es heißt:
„In dieser Stadt – Bu şehiri
kenn ich mich aus – tanıyorum
In dieser Stadt – Bu şehirde
war ich mal zuhaus‘ – yaşıyordum
Wie sieht die Stadt – Bu şehirin
wohl heute aus? – şimdiki hali
In dieser Stadt – Bu şehirde
war ich mal zuhaus‘ – yaşıyordum“
Das Fest will nicht unterscheiden in „deutsche Kultur“ hier und „türkische Kultur“ dort. Es geht nicht um ein Nebeneinander, sondern um ein Miteinander – um Themen, die uns als Menschen verbinden. Dabei haben die Themen „Heimat(en)“ und „Gemeinschaft(en)“ als inhaltliche Klammer der KulturRegionale einen besonderen Fokus.Kultur wird dabei bewusst weit gefasst – als Musik und Tanz, als Essen, als Sprache, als gelebter Alltag. Es gibt keine Hierarchien zwischen Menschen auf der Bühne und dem Publikum – alle sind eingeladen und können an diesem schönen Abend mitwirken. Und alle, die bis jetzt Teil davon sind, legen ihr ganzes Herz in die Mitgestaltung. Begegnung spielt dabei eine zentrale Rolle – nicht nur auf der Bühne, sondern vor allem auch für die Gäst*innen. Wer möchte, kann beim gemeinsamen Essen ins Gespräch kommen, beim Chor mitsingen oder sich bei anderen Formaten austauschen. Es geht nicht darum, nur Zuschauer*in zu sein, sondern darum, nachhaltig etwas mitzunehmen.
Entstanden ist dieser Beitrag aus einem Uni-Seminar, das sich mit der Frage beschäftigt, wie kulturelle Teilhabe gelingen kann. Eine der großen Fragen ist dabei: Reicht es, Kultur für alle bereitzustellen, oder geht es darum, Kultur von allen mitgestalten zu lassen? Das türkischdeutsche Kultur- und Begegnungsfest ist mit seinem weiten Kulturbegriff, der Partizipation von vielen Ehrenamtlichen und dem Fokus auf Begegnung und Dialog ein tolles Beispiel für Kultur von allen – und ist dabei natürlich auch für alle da.
Wer dieses Event nicht verpassen will, ist herzlich eingeladen, am Samstag, den 28. Juni zuzuschauen, mitzumachen und sich auszutauschen – von 18 bis 22 Uhr am Sportplatz in der Lavesstraße 5. Eintritt frei!
Vielen lieben Dank an Bettina und Nevin, die eine super Zusammenarbeit mit uns ermöglicht haben!
Ein Blogbeitrag von Despina Avramidou, Victor Holst, Han Körner, Frida Spaethe, Marlena Stern und Jara im Rahmen des Seminars „Und jetzt alle?! Kulturelle Teilhabe und Demokratie“